Rom in Westfalen

In Haltern am See erfahren Nicki Nuss und Klaus von Nina Neues über römische Bauarbeiter, Händler und Soldaten.

Rom in Westfalen

Vor über 2.000 Jahren lebten hier bei uns Römer und Germanen neben- und miteinander. Es wurde erkundet, gebaut, gehandelt und manchmal auch gekämpft. Der Rhein diente dabei als eine Art Grenze, die auch Limes genannt wurde. Aus dieser Zeit gibt es eine Menge zu entdecken. An fünf Standorten kannst Du bei der Archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ 2021 und 2022 in die Zeit der Römer eintauchen und viele interessante Funde aus Deiner Umgebung sowie genaue Nachbildungen bestaunen.

In Haltern am See erfahren Nicki Nuss und Klaus von Nina Neues über römische Bauarbeiter, Händler und Soldaten.

LWL-Archäologie für Westfalen / Stefan Brentführer

Pioniere und Vermessungstechniker

„Wow, das ist ja Wahnsinn“, Nicki Nuss schnappt nach Luft: „Wo sind wir denn hier gelandet? Das sieht ja aus wie ein Fort!“ „Was ist ein Fort?“, fragt Klaus. „Nun ja, es ist eine Festung“, sagt Nina. „Das ist die Rekonstruktion eines hier entdeckten römischen Lagers. Wir sind heute im LWL-Römermuseum in Haltern am See. Hier wurden die Spuren von mehreren römischen Militärlagern gefunden.“ „Aber der Limes verläuft doch am Rhein, dann sind wir ja gar nicht mehr im römischen Reich.“ Klaus ist verunsichert. „Das stimmt. Die Lager an diesem Ort lagen tatsächlich in dem Land, das die Römer ‚Germania magna‘ nannten, also ‚Großgermanien‘.“ Nina weiß natürlich wieder viel mehr als ihre Freunde. „Die Römer wollten das ganze Land erobern und zu einer Provinz machen.“ „Dabei war den Römern das Gebiet mit seinen tiefen Wäldern richtig unheimlich“, erzählt Nina. „Aber so ein echter Legionär lässt sich nicht aufhalten! Zunächst kundschafteten Späher die fremden Landstriche aus. Dann schlugen Pioniere Schneisen in die Wälder und legten Wege an, auf denen sich die Legionen schneller bewegen konnten. Das wichtigste Werkzeug dabei war die Schanzaxt.“

„Und die bauten dann so einfach drauf los?“, fragt Nicki Nuss. „Oh nein, zuerst rückte der Gromaticus an“, weiß Nina. „Heute sagt man dazu Gromatiker. Der Name kommt von der Groma, diesem Gerät, das Ihr hier sehen könnt. Es wird benutzt, um Winkelmessungen durchzuführen. Wege, Straßen, Plätze: alles im rechten Winkel!“

LWL-Archäologie für Westfalen / Stefan Brentführer

Bau- und Holzhandwerker

„Aber wie haben die Römer denn ein solches Lager wie dieses Aliso hier in Haltern am See gebaut?“, will Nicki Nuss wissen. Jetzt ist Nina wieder voll in ihrem Element: „Auch hier musste der Gromaticus ran. Alles wurde genau ausgemessen.“ „Auf den Zentimeter genau!“, prustet Klaus. „Bei den Römern auf den Fuß genau“, berichtigt Nina. „Zentimeter und Meter kannten die Römer noch nicht. Ein Fuß, das sind 29 Zentimeter. Er bildet die Grundlage für alle Anlagen.“ Während Nicki Nuss und Klaus ihre Füße ausmessen, erzählt Nina weiter: „War der Vermesser fertig, wurden entlang der ausgemessenen Linien die Zelte der Truppen aufgestellt. Sollte das Lager dauerhaft bleiben, wurden Fachwerkgebäude und eine Mauer aus Holz und Erde errichtet, genau wie die, die vor dem Museum steht. Das geschah zum Beispiel mit solchen Beilen, wie Ihr hier eines in der Vitrine sehen könnt. Dechsel nennt man die. Auch hier alles streng nach Maß.“

Händler und Maultiere

Nicki Nuss und Klaus stehen schon am nächsten Objekt. „Eine Riesenblumenvase!“ „Eine Amphore ist das, keine Blumenvase“, weiß Nina. „In solchen großen Gefäßen transportierten und lagerten die Römer zum Beispiel Wein oder Fischsoße. Mit der haben die Römer gerne ihr Essen gewürzt. Wein und Fischsoße brauchte man in den Lagern am oder vor dem Limes sehr viel. Und auch auf Feldzügen mussten die Legionäre versorgt werden.“

„Das wird wohl sehr schwierig gewesen sein“, denkt sich Klaus. „Erinnert Ihr Euch an die Schiffe in Xanten? Die Römer nutzten, wo immer möglich, Flüsse als Transportwege. Also über den Rhein und dann zum Beispiel hierher die Lippe aufwärts. Vom Fluss aus ging es dann auf der Straße weiter. Oft trugen Maultiere die schweren Ladungen auf dem Rücken oder sie zogen Wagen. Von einem solchen hat man ein Rad gefunden“, erzählt Nina.

LWL-Archäologie für Westfalen / Stefan Brentführer
LWL-Archäologie für Westfalen / Stefan Brentführer

Schildkröten und Skorpione

Die Soldaten verfügten nicht nur über gutes Werkzeug, sondern natürlich auch über gute Waffen. Die Legionäre trugen zu ihrem Schutz Kettenhemden oder Schienenpanzer – und Helme. Zwei solcher Helme haben Archäologen ineinander gestapelt hier in Haltern am See gefunden. Bewaffnet waren die Soldaten mit einem großen Schild, Wurfspeeren oder Stoßlanzen, Schwertern und Dolchen. Schwert und Dolch hingen an einem speziellen Gürtel. Dieser Soldatengürtel war mit Metallbeschlägen belegt. Genau wie die Schutzhüllen der Dolche, sogenannte Dolchscheiden, waren sie oft aufwendig verziert. Denn diese Gürtel waren nicht nur die notwendige Tragehilfe für die Waffen. Der Militärgürtel war Symbol für die Zugehörigkeit zur Armee – der Dienstausweis sozusagen. Das Bild auf der rechten Seite zeigt eine Wurfmaschine. „Scorpio“ (Skorpion) nannten die Römer diese Waffe. Sie konnte schwere Pfeile über eine große Entfernung zielgenau verschießen. „Die Römer hatten ja wirklich Hightech-Material zur Verfügung.“ Klaus hüpft staunend um das Geschütz herum. „Allerdings. Sie nutzten aber auch Taktiken, die sie ihren Gegnern überlegen machten. Bis heute berühmt ist die Schildkrötenformation“, erklärt Nina.

„Wie genau funktioniert denn diese schlaue Schildkröten-Taktik?“, fragt Nicki Nuss ungeduldig. „Für diese Formation stellten sich die Legionäre in mehreren Reihen hintereinander. Die Soldaten in der vorderen Reihe hielten ihre großen Schilde nach vorne, während die Soldaten weiter hinten ihre Schilde wie ein Dach über ihre Köpfe hielten. Das bot einen guten Schutz gegen feindliche Pfeile und Speere“, erklärt Nina und schlüpft prompt selbst in die Formation. Nicki Nuss und Klaus machen vergnügt mit.

Belagerer und Flüchtende

Und obwohl die Römer so gut ausgerüstet waren, haben sie in der Varusschlacht verloren. „Erinnert Ihr Euch an den Gedenkstein für den Soldaten Marcus Caelius aus dem LVRLandesMuseum in Bonn? Der war in dieser Schlacht gefallen“, erläutert Nina. Die Germanen hatten keine Lust, Untertanen des römischen Reiches zu werden. Im Jahr 9 nach Christus haben sie deshalb angefangen, die Römer wieder aus Germanien zu vertreiben. Die Lager, Städte und Dörfer, die die Römer in Großgermanien gegründet hatten, wurden von den Germanen angegriffen, erobert und zerstört. Natürlich haben sich die Römer gewehrt. Die vielen Schleuderbleie, die Archäologen rund um das Lager Aliso gefunden haben,
erzählen davon.

Steinschleudern, aber auch Pfeil und Bogen gehörten eigentlich gar nicht zur Bewaffnung der römischen Soldaten. Aber in der römischen Armee dienten Männer aus dem ganzen römischen Reich – und die brachten oft ihre eigene Art zu kämpfen mit. Die Schleuderer in der römischen Armee verschossen nicht nur Steine, sondern vor allem Geschosse aus Blei. Die konnten Schilde zerbrechen, Helme verbeulen und Knochen brechen – eine furchtbare Waffe.

LWL-Archäologie für Westfalen / Stefan Brentführer

Entdecker-Info

Wenn Du ins Römermuseum in Haltern am See fährst, schaut doch nach, ob Du dort das Entdeckerbuch zur Archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ mit Nicki Nuss und seinen Freunden findest. Darin findest Du weitere spannende Ausflugsziele, Geschichten und Rätsel rund um die Römer.

Wo?

LWL-Römermuseum
Weseler Straße 100
45721 Haltern am See
Web: www.lwl-roemermuseum-haltern.de

Wann?

„Rom in Westfalen 2.0“
25.03.2022—30.10.2022

Teil der Archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“

Was macht Nicki hier?
Das neugierige Eichhörnchen der NRW-Stiftung begleitet Dich bei Deinem Besuch durch die fünf Ausstellungen der Archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“. Mit Nickis Entdeckerbuch kannst Du spannende Rätsel lösen und spielerisch in die Zeit der Römer eintauchen.