Dormagen

Nicki Nuss und seine Freunde schauen sich heute in Dormagen im „Römergarten“ um. Besonders spannend finden sie dort das Modell der kleinen Festung. Denn damit können sie allerhand über das Leben der römischen Reiter lernen.

Das Reiterkastell Durnomagus

„Oh, schaut mal, ein Römerspielplatz!“, ruft Klaus ganz aufgeregt. „Kommt, lasst uns schaukeln!“ Klaus, Nicki Nuss und Nina sind mitten in Dormagen. Ganz in der Nähe des Rathauses gibt es einen Bereich, der heute „Römergarten“ genannt wird. „In Dormagen haben die Römer ein Lager für eine ala errichtet“, erklärt Nina. „Was ist denn eine ala?“, will Nicki wissen. „Eine ala ist eine Reitereinheit“, antwortet Nina. „Die meisten Reiter in der römischen Armee stammten nicht aus Rom, sondern waren Männer aus den vielen Völkern, die im Römischen Reich lebten.“ „Also Hilfstruppen, die nannte man auch Auxiliare“, weiß Nicki zu ergänzen. „Ja, genau“, bestätigt Nina. „Die typische ala der Hilfstruppen hieß ala quingenaria und sollte 500 Mann stark sein.“ Hier in Dormagen, das die Römer Durnomagus nannten, war die ala Noricorum stationiert.“

„Und die hieß so, weil die Männer alle aus der Provinz Noricum stammten“, weiß Nicki. „Stimmt“, bestätigt Nina. „Wo war denn die Provinz Noricum?“, fragt Klaus. „Die war ungefähr da, wo heute Bayern und Österreich sind“, antwortet Nina.„Wann wurde das Lager denn gebaut?“, fragt Klaus. „Unter Kaiser Domitian, zwischen 83 und 85 nach Christus“, antwortet Nina.

„Haben die Römer hier auch zuerst ein Holz-Erde-Lager gebaut?“, will Klaus wissen. „Ja, etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts haben die Römer das erste Lager aber abgerissen und durch ein Steinlager ersetzt“, erklärt Nina und erzählt weiter: „Wie üblich hatte das neue Lager eine Steinmauer mit einem dahinter angeschütteten Wall und einen doppelten Graben.“

„Und wie sah es im Lager aus?“, möchte Klaus wissen. „Das kannst du hier am Modell sehen“, ruft Nicki. Das Eichhörnchen steht vor einem Tisch, auf dem es ganz viele Häuser gibt. „Hier in der Mitte sind die principia, das Verwaltungsgebäude“, erklärt Nina. „Das kenne ich noch vom Modell des Bonner Legionslagers“, meint Klaus stolz.

Römergarten in Dormagen
Im Reiterlager in Dormagen konnten Archäologen und Archäologinnen erstmals auch kombinierte Unterkünfte für Kavalleristen und ihre Pferde nachweisen.

„Genau“, bestätigt Nina und erklärt weiter: „Östlich der principia zog die via praetoria zur porta praetoria, dem Haupttor, das in Richtung Rhein zeigte. Dieser Teil des Lagers heißt praetentura, das Vorderlager. Hier standen Unterkünfte für die Soldaten und einige Wirtschaftsgebäude.“

„Und hinter den principia?“, fragt Klaus. „Links und rechts der via decumana lag das Hinterlager, die retentura“, erklärt Nina weiter. „Hier standen die Unterkunft des Kommandeurs, die restlichen Unterkünfte für die Soldaten, die Ställe für die Pferde und je ein Lazarett, also ein Krankenhaus für Menschen und für Tiere.“ „Und bestimmt auch eine große Scheune“, wirft Nicki ein. „Wieso das?“, fragt Klaus. „Na, weil so viele Pferde auch sehr viel Futter brauchen“, antwortet Nicki. „Stimmt, so eine ala brauchte ungefähr 250 Tonnen Getreide pro Jahr“, erklärt Nina.

„Wie lange waren die Römer eigentlich hier?“, will Nicki wissen. Nina muss überlegen: „Also, die ala Noricorum wurde am Ende des 2. Jahrhunderts nach Gallien abgezogen, nach Lugdunum, dem heutigen Lyon. Hier im Lager blieb nur eine Art Notdienst. Nur die Kopfbauten der Ställe waren ab dann noch bewohnt. Der Rest waren Ruinen.“

„War das dann das Ende des Lagers?“, fragt Nicki weiter. „Nein“, fährt Nina fort. Um das Jahr 260 herum, also zu Beginn des Gallischen Sonderreiches, waren wieder vermehrt Menschen im Lager. Das waren aber vor allem ganz normale Personen und keine Soldaten. Wahrscheinlich sind die Bewohner des Lagerdorfes, das die ganze Zeit fortbestanden hatte, in die schützenden Mauern des Kastells gezogen. Das war ja auch die Zeit ganz schlimmer Überfälle der Franken.“

„Sind denn auch irgendwann einmal wieder Soldaten in das Lager eingezogen?“, fragt Klaus. „Ja, tatsächlich haben die Römer zu Beginn des 4. Jahrhunderts sogar eine regelrechte Festung gebaut. Die war aber viel kleiner als das Kastell für die Reiter-Truppe, ungefähr nur noch ein Viertel so groß“, berichtet Nina.

„Sah die Festung so aus wie die in Deutz oder von Haus Bürgel?“, fragt Klaus weiter. „Ja, so ungefähr“, bestätigt Nina. „Diese kleinen Festungen mit ihren wenigen Männern Besatzung sollten ja tatsächlich auch längeren Belagerungen durch die Germanen standhalten können.“

„Übrigens haben die Römer die alten Lagermauern weiter gepflegt und sogar verstärkt“, fährt Nina fort. „Nur standen innerhalb der Mauern keine Soldatenunterkünfte mehr.“

„Und wozu dann der Aufwand?“, will Nicki wissen. Nina weiß natürlich eine Antwort: „Wahrscheinlich haben die Römer die freie Fläche genutzt, um durchziehende Truppen campieren lassen zu können.“

„Waren hier eigentlich, wie in Haus Bürgel, auch Föderaten, also Bündnispartner, stationiert?“, fragt Klaus zum Abschluss. „Sehr wahrscheinlich“, bestätigt Nina. „Bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts waren hier Soldaten stationiert – und zu der Zeit können das eigentlich nur noch Föderaten gewesen sein.“

Das Modell des Reiterkastells im Historischen Rathaus von Dormagen

UNESCO-Welterbe Dormagen

Wer sich besonders für die Römer in Dormagen interessiert, dem sei der Besuch der Ausstellung im Historischen Rathaus empfohlen. Ebenso interessant ist der Römerkeller in Dormagen, der die Überreste eines Wohnhauses aus der römischen Zeit zeigt. Infos zum UNESCO-Welterbe Dormagen auf der städtischen Website.